Legionellen in Eiswürfeln? Ein mögliches Infektionsreservoir

Das Kaltwasser kann mit Legionellen kontaminiert sein (siehe Evidence Review #01). Können auch Eiswürfel kontaminiert sein und ein Infektionsreservoir darstellen? 

Der Beitrag fasst die wissenschaftliche Evidenz zu Legionellen, Pseudomonas aeruginosa, Mykobakterien und anderen wasserassoziierten Mikroorganismen in Eismaschinen zusammen und zeigt die Bedeutung für Krankenhäuser, Hotels und sonstige öffentliche Gebäude.

Viele Betreiber stellen ihren Nutzern Eiswürfel zur Verfügung. Seit mehr als 20 Jahren ist bekannt, dass Eiswürfel unter anderem mit Legionellen kontaminiert sein und ein Infektionsreservoir darstellen können (Kanamori et al., 2016). Dabei stellt die Mikroaspiration von Eis oder Eiswasser einen möglichen Übertragungsweg kontaminierter Tröpfchen dar, wobei insbesondere immunsupprimierte und intensivmedizinisch behandelte Patienten betroffen sind (Kanamori et al., 2016).

Eiswürfel können mit Legionellen, Pseudomonaden, Mykobakterien und anderen wasserassoziierten Mikroorganismen kontaminiert sein

Eis wird in vielen Ländern sowohl in medizinischen als auch in nicht-medizinischen Einrichtungen regelmäßig verwendet. Mehrere Studien haben jedoch eine erhebliche mikrobielle Kontamination von Eismaschinen nachgewiesen, die zu nosokomialen Ausbrüchen oder Pseudoausbrüchen sowie zu Infektionen durch wasserassoziierte Mikroorganismen führen kann. Hierzu zählen unter anderem Pilze der Gattung Candida, Pseudomonas aeruginosa, nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM) und Legionellen (Cazals et al., 2022).

Janet Stout und ihr Team veröffentlichten bereits 1985 folgende Ergebnisse:

  • 14 Eismaschinen wurden über einen Zeitraum von einem Jahr monatlich kulturell untersucht
  • 8 von 14 Geräte waren positiv auf Legionella, mit Konzentrationen zwischen 1 und 300 KBE/Agarplatte. 

War das Kaltwasser im Gebäude mit Legionellen kontaminiert, waren auch der Kaltwassertank und die Kaltwasserspender der Eismaschinen positiv auf Legionellen (Stout et al., 1985).

Ein weiteres Team aus den USA untersuchte Eismaschinen in Patientenbereichen von Krankenhäusern auf eine Kontamination mit wasserassoziierten Mikroorganismen:

  • 64 Eismaschinen aus fünf Krankenhäusern und zwei Altenheimen wurden mikrobiologisch kulturell untersucht. 
  • Gram-negative Bacilli und/oder Candida spp. wurden aus 100 % der Auffangwannen, 52 % der Eis- und/oder Wasserrinnen sowie 72 % der untersuchten Auffangwannengitter isoliert. 

Während des Betriebs fiel außerdem Eis durch das Auffangwannengitter, wodurch kontaminiertes Wasser verspritzte und das Gitter, Becher sowie die Hände der Nutzer kontaminierte. Darüber hinaus führte die Verunreinigung der Innenflächen der Eisrutsche zur Verunreinigung der ausgegebenen Eiswürfel (Kanwar et al., 2018).

Eine kanadische Arbeitsgruppe analysierte im Rahmen einer prospektiven Studie 72 Eis-, Wasser- und Biofilmproben aus 36 Eis- und Kaltwasserspendern eines neu errichteten Krankenhauses mittels Kultur- und kulturunabhängiger Verfahren. Nichttuberkulöse Mykobakterien wurden in 36 von 72 Proben mittels qPCR nachgewiesen (Cazals et al., 2022).

Kontaminiertes Eis kann Infektionen bei immungeschwächten Personen verursachen

Eine mit Legionella pneumophila Serogruppe 8 kontaminierte Eismaschine war unter anderem für einen Pseudoausbruch in der Bronchoskopie-Abteilung eines Universitätsklinikums mit 580 Betten verantwortlich (Schuetz et al., 2009). Alle in Patientenproben nachgewiesenen Legionellenstämme gehörten zu Legionella pneumophila Serogruppe 8. Während der Eingriffe wurden unverschlossene Spritzen mit steriler Kochsalzlösung direkt in kontaminierte Eisbäder getaucht. Mindestens ein Patient erkrankte infolge dessen. Eine genetische Identität zwischen Patientenisolaten und den Isolaten aus der Eismaschine wurde bestätigt. Eine gründliche Reinigung der Eismaschine sowie der Austausch des Wasserfilters beendeten den Pseudoausbruch (Schuetz et al., 2009).

Ein weiterer Fall einer Legionelleninfektion, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Nutzung einer Eismaschine verursacht wurde, wird von Bencini et al. (2005) beschrieben. Ein 79-jähriger Patient mit Schluckbeschwerden entwickelte zwei Tage nach der Entlassung aus einer orthopädischen Station, auf der er aufgrund einer Hüftoperation behandelt worden war, eine Legionellenpneumonie. Basierend auf den verfügbaren Daten könnte die mit bis zu 2000 KBE/L kontaminierte Eismaschine die Ursache der Legionellenpneumonie gewesen sein.

Auf einer Herztransplantationsstation in Kopenhagen wurden drei operierte Patienten mit Legionellen infiziert. Umgebungsuntersuchungen und Genotypisierung identifizierten eine Eismaschine in der Küche der Intensivstation als mögliche Infektionsquelle für zwei der drei Patienten (Bangsborg et al., 1995).

Legionellen in Eismaschinen von Hotels und öffentlichen Gebäuden 

Obwohl viele Hotels und andere öffentliche Gebäude regelmäßig Eismaschinen nutzen, liegen bislang nur wenige Daten zu möglichen Infektionen vor. Dies kann verschiedene Gründe haben. So werden Legionelleninfektionen – sowohl Legionärskrankheit als auch Pontiac-Fieber – häufig nicht erkannt. Selbst wenn sie diagnostiziert werden, bleibt das Infektionsreservoir oftmals unbekannt (Exner et al., 2023).

Geräte, in denen Trinkwasser stagniert und mit unterschiedlichen Materialien, unter anderem Kunststoffen, in Kontakt kommt, weisen aufgrund der Biofilmbildung ein erhöhtes Risiko für eine Kontamination mit Legionellen, Pseudomonas aeruginosa und anderen wasserassoziierten Mikroorganismen auf.

Schlussfolgerungen und Hinweise für Betreiber

Eis und Eiswürfel können mit Legionellen kontaminiert sein und als Infektionsreservoir dienen. Medizinische und sonstige öffentliche Einrichtungen, die ihren Nutzern Eis zur Verfügung stellen, sollten diese Geräte im Rahmen ihres Wassersicherheitsplans bzw. einer Risikobewertung berücksichtigen, die Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen entsprechend den Herstellerempfehlungen konsequent umsetzen und deren Wirksamkeit regelmäßig validieren – insbesondere in medizinischen Einrichtungen.

Darüber hinaus sollte die ausschließliche Nutzung von Indikatorparametern wie der Gesamtkeimzahl zur Qualitätssicherung kritisch hinterfragt werden, da diese keine Aussage über das Vorkommen fakultativ pathogener wasserassoziierter Mikroorganismen zulassen.

Kontakt

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Wir unterstützen Betreiber von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Hotels, öffentlichen Einrichtungen sowie Wohngebäuden bei der Risikobewertung und -abschätzung von Trinkwasserinstallationen, der hygienischen Bewertung komplexer Fragestellungen und der Entwicklung von Wassersicherheitsplänen und risikobasierten Maßnahmen zum Schutz der Nutzer. Kontaktieren Sie uns hier. 

Literatur

Kanamori H et al., Clin Infect Dis, 62(11), 1423-35, 2016

Cazals M et al., J Hosp Infect, 141, 9-16, 2023

Stout J E et al., Infect Control, 6(4), 141-6, 1985

Kanwar A et al., Infect Control Hosp Epidemiol, 39(3), 253-258, 2018 

Schuetz AN et al., Infect Control Hosp Epidemiol, 30(5), 461-6, 2009

Bencini M A et al.,  Arch Environ Occup Health, 60(6), 302-6, 2005

Bangsborg JM et al., Eur J Clin Microbiol Infect Dis, 14(2), 99-104, 1995

Exner M et al., Stellungnahme der DGKH „Legionellosen und Energiesparmaßnahmen“, 01.02.2023

Foto von Jan Antonin Kolar auf Unsplash

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