Legionellen im Kaltwasser – wachsen sie wirklich?

„Das Kaltwasser wird nicht beprobt, da im Kaltwasser keine Legionellen wachsen.“ Diese Aussage ist nach wie vor weit verbreitet. Doch ist sie wissenschaftlich akzeptabel?

Bedürfen Hitzewellen eines angepassten Risikomanagements bezüglich Legionellen in Trinkwasserinstallationen?

Für Betreiber stellt sich oft die Frage, ob das Kaltwasser im Rahmen einer systemischen Untersuchung grundsätzlich unberücksichtigt bleiben kann. 

Legionellen im Kaltwasser und die Bedeutung der Temperatur 

Das Kaltwasser (Potable Water Cold, PWC) soll in Deutschland maximal 25 °C betragen, damit das Risiko einer mikrobiellen Kontamination reduziert wird. Legionellen wachsen langsam zwischen 20 und 30 °C, während sie unterhalb von 20 °C entweder langsam wachsen oder sich im unkultivierbaren Zustand (Viable But Non Culturable State, VBNC) befinden (Hammes et al., 2025). Außerdem fördern Temperaturen unterhalb von 20 °C die Aufnahme von Legionellen durch Amöben, während höhere Temperaturen eher zur Vervielfältigung der Bakterien führen (Hammes et al., 2025).

Daraus lässt sich schließen, dass das Kaltwasser (PWC) sehr wohl mit Legionellen kontaminiert und dadurch ein mögliches Infektionsreservoir sein kann.

Kontaminationsfälle vom Kaltwasser mit Legionellen 

Eine Kontamination des Kaltwassers mit Legionellen wurde wiederholt in der internationalen Literatur, einschließlich Deutschland, beschrieben.

Salinas et al. (2021) untersuchten in Spanien unter anderem 639 Kaltwasserproben. 12% dieser Proben waren positiv auf Legionella.

Ähnliche Daten liegen aus den USA vor. Donohue et al. (2014) untersuchten 272 PWC-Proben aus den Jahren 2009 und 2010 von 68 öffentlichen und privaten Entnahmestellen. Fast 50 % der Proben waren mittels qPCR positiv für Legionella pneumophila Serogruppe 1.

Rodriguez-Martinez et al. (2015) berichten aus Israel, dass 71 % der mit der Kulturmethode untersuchten Kaltwasserproben aus sieben Entnahmestellen im Sommer und Frühjahr positiv auf Legionella waren, während im Herbst und Winter 57 % der Kaltwasserproben aus denselben Entnahmestellen positiv waren.

Auch in Deutschland haben Arvand et al. (2011) Ähnliches festgestellt. Die systemische Untersuchung von vier medizinischen Einrichtungen über einen Zeitraum von 1,5 Jahren zeigte, dass 32 % der PWH-Proben (Potable Water Hot) und nur 3 % der PWC-Proben mit Legionella pneumophila kontaminiert waren. Die Untersuchung der Peripherie ergab dagegen, dass 23 % der PWH- und 40 % der PWC-Proben positiv auf Legionella pneumophila waren. Dabei betrug die Legionellenkonzentration bei 67 % der mit Kulturmethode positiven PWC-Proben ≥ 10.000 KBE/100 ml bei einer Temperatur von < 20 °C.

Konsequenzen für die Ursachenanalyse

Ist das Kaltwasser einer Trinkwasserinstallation mit Legionellen kontaminiert, so kann es beispielsweise durch Übertritte auch das Warmwasser kontaminieren. Liegt eine Kontamination des Warmwassers vor und wird das Kaltwasser im Rahmen der systemischen Untersuchung nicht untersucht, kann die eigentliche Ursache der Kontamination unentdeckt bleiben, sofern sie im Kaltwasser liegt. In diesem Fall wären alle empfohlenen das Warmwasser betreffenden, durchgeführten Maßnahmen nicht zielführend, s. auch Risikoabschätzung nach Legionellenbefund.  

Die Bedeutung von Hitzewellen für das Risikomanagement einer Trinkwasserinstallation 

Die Trinkwasserverordnung (2023) schreibt die Einhaltung mindestens der allgemein anerkannten Regeln der Technik in einem Trinkwassersystem vor. Das Infektionsschutzgesetz als gesetzliche Grundlage der Trinkwasserverordnung fordert, dass Trinkwasser so beschaffen sein muss, dass eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu befürchten ist. Weitere Informationen zu den Betreiberpflichten finden Sie hier

Außergewöhnlich hohe Lufttemperaturen, beispielsweise während einer Hitzewelle, führen möglicherweise zur Erwärmung des Kaltwassers und dadurch zu optimierten Wachstumsbedingungen für Legionellen im PWC. Deshalb bedürfen Situationen wie die extreme und lang anhaltende Hitzewelle der vergangenen Wochen eines entsprechenden Risikomanagements.

Durch ein geeignetes Risikomanagement kann das Kontaminations- und Infektionsrisiko mit Legionellen und sonstigen wasserassoziierten Mikroorganismen reduziert werden, sodass eine Trinkwasserinstallation kein relevantes Infektionsreservoir darstellt und Betreiber die Anforderungen des Infektionsschutzgesetzes diesbezüglich erfüllen können. Weitere Informationen zu Risikobewertung und zum Water Safety Plan finden Sie hier: Präventive Vorgehensweise für Trinkwassersysteme und Wassersicherheitsplan

Schlussfolgerungen

Die Annahme, dass sich Legionellen ausschließlich im Warmwasser vermehren und das Kaltwasser deshalb grundsätzlich nicht kontaminiert sein kann, wird durch zahlreiche wissenschaftliche Daten nicht gestützt. Für Betreiber bedeutet dies, dass das Kaltwasser im Rahmen der systemischen Untersuchung auf Legionellen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden sollte. Insbesondere während lang anhaltender Hitzewellen kann sich das Risiko einer Legionellenkontamination des Kaltwassers erhöhen. Für eine fundierte Aussage über eine bestehende Kontamination einer Trinkwasserinstallation und ein wirksames Risikomanagement sollte daher stets die gesamte Trinkwasserinstallation berücksichtigt werden.

Kontakt

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Literatur

Hammes F. et al., FEMS Microbiology Reviews, 2025, 49, fuaf022, 2025

Salinas M. B. et al., Water Res, 196, 117013, 2021

Donohue M. J. et al., Environ Sci  Techn, 48, 3145-3152, 2014 

Rodriguez-Martinez et al.,  Water Res 77, 2015 

Arvand et al., Eurosurveillance, 16(16), 2011

Trinkwasserverordnung vom 23. Juni 2023 (BGBL. 2023, Nr. 159), 2023  

„Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG), BGBl. I. S. 1045, 2000, das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 26. Juni 2026 (BGBl. 2026 Nr. 195) geändert worden ist, 2026

Bild: Foto von Omar Al-Ghosson auf Unsplash

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