Dentaleinheiten und Wasserhygiene  

In eigener Sache – mein Besuch bei der Dentalhygienikerin

„Man sollte vermeiden, montags morgens der erste Patient beim Zahnarzt zu sein.“

Diesen Satz hört man oft, wenn es um die Wasserhygiene von Dentaleinheiten geht.

Letzte Woche war ich bei meiner regelmäßigen professionellen Zahnreinigung hier in Frankfurt.

Die Dentalhygienikerin erklärte mir, dass sie ein zusätzliches Verfahren zur Entfernung von Verfärbungen und Biofilm anwenden würde. Auf meine Frage, wie es funktioniert, erklärte sie mir, dass dabei Erythritol eingesetzt werde. Das sei eine neue Methode.

Während der Behandlung entstand – wie bei solchen Verfahren üblich – eine erhebliche Menge an Aerosolen.

Ich fragte genauer nach.

Die Lösung wurde aus einer separaten Kunststoffflasche über einen Schlauch eingespeist. Das Erythritol werde mit Leitungswasser angesetzt. Zusätzlich empfehle der Hersteller offenbar die Zugabe eines Desinfektionsmittels. Die Dentalhygienikerin konnte mir nicht sagen, wann genau die Lösung angesetzt worden war.

Meine nächste Frage war deshalb nicht mehr, ob Erythritol zur Entfernung dentaler Biofilme geeignet ist. Mechanische Reinigung ist bekanntlich wirksam gegen Biofilme.

Meine Frage war eher:

Wie wird sichergestellt, dass das genutzte Wasser bzw. die angesetzte Lösung selbst mikrobiologisch kontrolliert bleibt?

Effektive Biofilmentfernung und Wasserhygiene innerhalb eines Behandlungssystems sind zwei völlig unterschiedliche Fragestellungen.

Genau hierzu passt die im Februar 2026 aktualisierte S2k-Leitlinie „Dentaleinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“.¹

Wasser wird nach Eintritt in entsprechend abgesicherte Dentaleinheiten als Betriebswasser betrachtet. Gleichzeitig kann sich die mikrobiologische Qualität innerhalb einer Dentaleinheit verändern – selbst wenn mikrobiologisch einwandfreies Trinkwasser eingespeist wird. Biofilmbildung innerhalb der wasserführenden Systeme bleibt aufgrund vorhandener Nährstoffe, Raumtemperatur und Stagnation möglich.²˒³

Die S2k-Leitlinie enthält für den Betrieb von Dentaleinheiten konkrete Empfehlungen.

U. a. sollen wasserführende Systeme zu Beginn jedes Arbeitstages an allen Entnahmestellen etwa zwei Minuten gespült werden. Zwischen Patienten sollen die zuvor im Mund verwendeten wasserführenden Systeme etwa 20 Sekunden gespült werden.¹

Auch die mikrobiologische Bewertung wird konkretisiert:

Pseudomonas aeruginosa und Legionella pneumophila werden als Indikatormikroorganismen einer Biofilmbildung in der Dentaleinheit genannt. P. aeruginosa sollte in 100 ml nicht nachweisbar sein; für L. pneumophila wird <1 KBE/ml angegeben.¹

Bei wasserführenden (medizinischen) Systemen reicht es also nicht, nur auf die Qualität des eingespeisten Trinkwassers zu schauen.

Entscheidend ist das gesamte System:

Wie wird Wasser gespeichert?
Wie lange steht es?
Welche Leitungen werden durchströmt?
Welche Stoffe werden zugesetzt?
Wie werden Behälter und Schläuche aufbereitet?
Und welche Betriebsbedingungen fördern oder verhindern Biofilmbildung?

Das gilt für eine Dentaleinheit genauso wie für viele andere wasserführende Systeme.

Strategien wie Wassersicherheitspläne für Dentaleinheiten können helfen, relevante Risiken systematisch zu erfassen und Prozesse für den Umgang mit Kontaminationsfällen festzulegen. Dabei werden u. a. das Eingangswasser, das Wasser im Zahnarztstuhl, der Probenahmeplan, Spül- und Desinfektionsvorgänge sowie die jeweiligen Patientengruppen berücksichtigt. Ziel ist, das Infektionsrisiko für Patienten, Zahnärzte und medizinisches Personal zu minimieren.⁴

Und zu meiner Behandlung?

Ich gehe weiterhin montags morgens zum Zahnarzt.

Aber ich frage durchaus genau nach, wie mit dem Wasser, den Behältern und den wasserführenden Systemen umgegangen wird. 

Foto von Henrik Lagercrantz auf Unsplash

Literatur

  1. „AG Zahnmedizin der DGKH, „Dentaleinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“, Langversion 2.1, 2026, AWMF-Registriernummer 075-002, https://register.awmf.org/assets/guidelines/075-002l_S2k_Dentaleinheiten-hygienische-Anforderungen-Wasser_2026-08.pdf accessed 28.09.2026
  2. Coleman DC et al., J Appl Microbiol, 106(5), 1424-37, 2009
  3. Samaranayake L. et al., Int Dent J, 2(Suppl 2), S437-445, 2024 
  4. Marino F et al., J Oral Microbiol, 15(1), 2223477, 2023
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