Erstellung einer Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa

Was ist Pseudomonas aeruginosa?

Pseudomonas aeruginosa zählt zu den klinisch relevantesten wasserassoziierten Krankheitserregern in Trinkwasser- und Abwassersystemen – insbesondere in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Wird der empfohlene Zielwert von 0 KBE/100 ml überschritten, ist eine strukturierte Risikoabschätzung durchzuführen, um ein mögliches Infektionsrisiko zu minimieren.

 

Ich unterstütze Betreiber bei der fachgerechten Erstellung von Risikoabschätzungen für Pseudomonas aeruginosa – unabhängig, fundiert und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, technischem Regelwerk und aktuell gültigen Empfehlungen.

Pseudomonas aeruginosa ist ein Gram negatives, fakultativ pathogenes, wasserassoziiertes Bakterium, das weltweit für zahlreiche nosokomiale Infektionen verantwortlich ist.

 

Im Gegensatz zu Legionella spp.
– besitzt Pseudomonas aeruginosa geringe Nährstoffanforderungen
– kann Pseudomonas aeruginosa u.a. stilles Mineralwasser, deionisiertes Wasser, Waschlotionen und Desinfektionsmittel kontaminieren
– besiedelt Pseudomonas aeruginosa bevorzugt Grenzflächen zwischen Wasser und Luft

Trinkwasser- und Abwassersysteme stellen daher bedeutende Infektionsreservoirs dar – insbesondere Waschbecken, Duschen, Armaturen, Siphons, Duschköpfe, Wasserzähler und Whirlpools.

 

Wann ist eine Risikoabschätzung durchzuführen?

Die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und Krankenhaushygiene (DGKH, 2016)1, das Umweltbundesamt (UBA, 2017) 2, und der Deutsche Verein Gas und Wasser (DVGW, 2024) 3 empfehlen für medizinische Einrichtungen einen technischen Maßnahmenwert bzw. Zielwert von < 1 KBE / 100 ml für Pseudomonas aeruginosa.1, 2, 3

Wird dieser Zielwert überschritten, ist eine Risikoabschätzung durchzuführen. 1,3

Dies gilt für prioritäre Einrichtungen, z. B.
– Krankenhäuser
– Alten- und Pflegeheime
– Rehabilitationszentren
– Tageskliniken
– Dialyseeinrichtungen
– Kindertagesstätten
– Arztpraxen 1,2

 

 

Warum eine Risikoabschätzung für Legionellen
nicht auf Pseudomonas aeruginosa übertragbar ist

Für Legionellenkontaminationen existiert seit 2012 eine etablierte UBA Empfehlung zur Risikoabschätzung (alter Begriff: Gefährdungsanalyse).4

Eine vergleichbare standardisierte Empfehlung für Pseudomonas aeruginosa existiert nicht.

Eine direkte Übertragung ist fachlich inakkurat, denn u.a.
– Pseudomonas aeruginosa hat andere Nährstoffanforderungen
– das Bakterium bildet häufig Antibiotikaresistenzen
– multiresistente Stämme von Pseudomonas aeruginosa kommen in Krankenhäusern häufig vor
– eine Kolonisation durch Pseudomonas aeruginosa erfolgt bevorzugt an Stellen mit hoher Sauerstoffkonzentration

Die Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa muss individuell, mikrobiologisch-hygienisch und technisch angepasst erfolgen.

 

Pseudomonas aeruginosa vs. Legionella spp.

Obwohl Pseudomonas aeruginosa als auch Legionella spp. wasserassoziierte, fakultativ pathogene, Gram negative Bakterien sind, bestehen wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Bakterienarten. Legionellen haben hohe Nährstoffanforderungen, während Pseudomonas aeruginosa selbst im nährstoffarmen Milieu gut und schnell wachsen kann; gleichzeitig hat Pseudomonas aeruginosa eine besondere Vorliebe für Sauerstoff. Dies führt dazu, dass Pseudomonas aeruginosa Grenzflächen zwischen Wasser und Luft gerne besiedelt, wie z. B. Wasserauslässe, Strahlregler, Duschköpfe, Armaturen, Wasseruhren, Jacuzzis und Whirlpools.

 

Liegt eine besonders hohe Nährstoffverfügbarkeit bzw. -konzentration vor, wie z. B. durch organische Substanzen, wie Plastik, Gummi oder Harze, so sind solche Stellen besonders anfällig für eine Kolonisation mit Pseudomonas aeruginosa. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Bakterien, ist die klinisch relevante Eigenschaft von Pseudomonas aeruginosa, schnell Antibiotikaresistenzen zu bilden. Gerade in Ländern mit schwachen Infektionspräventionsregimen ist der Anteil von multiresistenten Pseudomonas aeruginosa Stämmen signifikant, sowohl in der Umgebung (z. B. Siphons), als auch bei Patienten. Legionellen können nur in seltenen Fällen Antibiotikaresistenzen bilden.5,6 Hinzu kommt, dass bei einer Legionellenkontamination des Warmwassers die Einhaltung der durch das technische Regelwerk vorgeschriebenen Temperatur von 60 °C / 55 °C bei der Kontrolle der Kontamination sehr effizient ist. Beim mit Pseudomonas aeruginosa kontaminierten Kaltwasser entfällt diese primäre Kontrollmaßnahme.

Merkmal Pseudomonas aeruginosa Legionella spp.
Nährstoffbedarf niedrig hoch
Temperaturbereich des Wachstums 25 – 50 °C 25 – 50 °C
Wachstumsanforderungen Sauerstoffverfügbarkeit,
Grenzflächen zwischen Wasser und Luft
Kein direkter Wirt nötig
Amöben als natürlicher Wirt
Biofilmbildner ja ja
Antibiotikaresistenzen schnell und häufig selten beschrieben
Nichtkultivierbarer Zustand (VBNC) ja, unter Stressbedingungen ja, unter Stressbedingungen

Inhalte einer fachgerechten Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa

Im Falle einer nachgewiesenen Kontamination sind zunächst Maßnahmen zum Schutz der Nutzer zu definieren, idealerweise nach Absprache mit dem jeweiligen Gesundheitsamt, damit ein mögliches Infektionsrisiko minimiert wird. Gleichzeitig ist eine Risikoabschätzung durchzuführen oder zu beauftragen, so dass zunächst, ggfls. durch weitere Beprobungen, die Ursache(n) der Kontamination identifiziert werden kann.

Im Rahmen derselben Risikoabschätzung sind mögliche Sanierungsmaßnahmen zu definieren und priorisieren, in Kombination mit gleichzeitigen Schutzmaßnahmen für die Nutzer. Welche Maßnahmen zielführend sein können, hängt vom jeweiligen Kontaminationsfall ab. Nach Abschluss der durchgeführten Maßnahmen ist deren Effektivität durch Wiederholungsbeprobungen zu verifizieren. Alle genannten Schritte sollten in Absprache mit der Gesundheitsbehörde erfolgen.

 

Eine fachgerechte Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa umfasst u.a.
– Nennung der (Sofort)maßnahmen zum Schutz der Nutzer der Trinkwasserinstallation
– Bewertung der Befunde und gflls. erweiterte Probenahmestrategie zur Identifikation der Kontaminationsursache(n)
– Auswahl geeigneter Probenahmestellen und -arten (nach DIN EN ISO 19458:2006 Zweck b oder Zweck c, Abstriche)
– Analyse des Trinkwassersystems, der Nutzung und der Materialien
– Definition und Priorisierung von Sanierungsmaßnahmen
– Validierung deren Effektivität durch weitere Beprobungen
– Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt

Alle Schritte erfolgen strukturiert, nachvollziehbar und dokumentiert.

 

Ihre Unterstützung bei Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa Kontaminationen

 

Ich unterstütze Sie bei
– der Erstellung und Bewertung von Risikoabschätzungen
– fachlicher Kommunikation mit Gesundheitsbehörden
– Ableitung gesetzeskonformer, praktikabler und nachhaltiger Maßnahmen
– rechtssicherem Umgang mit Pseudomonas aeruginosa Befunden

Möchten Sie mehr wissen? Haben Sie Fragen zu Pseudomonas aeruginosa bzw. zur Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa? Benötigen Sie Unterstützung bei der Erstellung einer Risikoabschätzung für Pseudomonas aeruginosa? Kontaktieren Sie uns gerne unter info@drvickykatsemi.com

 

References

1 Exner M. et al., „Gesundheitliche Bedeutung, Prävention und Kontrolle Wasser-assoziierter Pseudomonas aeruginosa-Infektionen“, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Hyg Med 2016, 41 – Suppl. 2, 2016
2 Empfehlung des Umweltbundesamtes „Empfehlung zu erforderlichen Untersuchungen auf Pseudomonas aeruginosa, zur Risikoeinschätzung und zu Maßnahmen beim Nachweis im Trinkwasser“, UBA 2017
3 DVGW Arbeitsblatt W 551-4, „Verhütung, Erkennung und Bekämpfung von Kontaminationen mit Pseudomonas aeruginosa“, 2024
4 Empfehlung des Umweltbundesamtes „Empfehlungen für die Durchführung einer Gefährdungsanalyse gemäß Trinkwasserverordnung. Maßnahmen bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes für Legionellen“, UBA, 2012
5 Bruin J P et al., J Antimicrob Chemotherm 69(10), 2869-2871, 2014
6 Scaturro M et al., J Glob Antimicrob Resist, 41, 181-188, 2025

en_USEnglish