Genau 50 Jahre Legionellen

50 Jahre nach der Entdeckung der Legionellen: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Legionelleninfektionen, Prävention, Trinkwasserhygiene und zukünftigen Herausforderungen

Vor genau 50 Jahren wurde der erste, durch Legionellen verursachte Ausbruch beschrieben, der schließlich zur Entdeckung der Bakteriengattung Legionella führte. Dieses Jubiläum bietet Anlass, auf die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückzublicken und zu hinterfragen, wie erfolgreich die bisherigen Strategien zur Prävention  von Legionellen-bedingten Infektionen tatsächlich sind. 

Legionellen gehören weltweit zu den wichtigsten wasserassoziierten Mikroorganismen und stellen insbesondere in Trinkwasserinstallationen von Krankhäusern, Pflegeeinrichtungen, Hotels und sonstigen öffentlichen Gebäuden weiterhin eine hygienische Herausforderung dar. 

Die Entdeckung von Legionella 

Vom 21. bis 24. Juli 1976 fand im Hotel Bellevue Stratford in Philadelphia, USA, eine Konvention amerikanischer Legionäre statt. Während dieser Veranstaltung erkrankten 182 Personen an einer Pneumonie, 29 der Infektionen verliefen tödlich. 

Dr. Joseph McDade vom amerikanischen Center for Disease Control (CDC) stellte einige Monate später einen möglichen Zusammenhang zwischen Wasser und den Infektionsfällen her. Bei der Untersuchung von Patientenproben identifizierte er eine bis dahin unbekannte Bakteriengattung, die er  Legionella nannte (McDade et al., 1977; Brenner et al., 1979; Fraser et al., 1977).

Der Erreger Legionella pneumophila wurde anschließend in der Klimaanlage des Hotels nachgewiesen, sodass das Rückkühlwerk auf dem Dach des Gebäudes als wahrscheinliche Ursache des Ausbruchs angesehen wurde (McDade et al., 1977; Fraser et al., 1977).

Vier Jahre später beschrieben Kaufmann et al. erstmals das Pontiac-Fieber als zweite klinische Manifestation einer Legionelleninfektion (Kaufmann et al., 1981). Das Pontiac-Fieber ist durch eine kurze Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen sowie eine grippeähnliche Erkrankung ohne Pneumonie charakterisiert.

Der erste dokumentierte Ausbruch hatte sich allerdings bereits im Jahr 1968 in einem Gebäude des Gesundheitsamtes in Pontiac, Michigan, ereignet. Epidemiologische Untersuchungen zeigten, dass ein aerogen übertragener Erreger in Aerosolen eines Verdunstungskühlsystems einer defekten Klimaanlage die Ursache der Erkrankungen war (Kaufmann et al., 1981).

Die Wissenschaftler exponierten Meerschweinchen gegenüber diesen Aerosolen. Die Tiere entwickelten anschließend eine Bronchopneumonie, aus deren Lungen Legionella pneumophila Serogruppe 1 isoliert werden konnte (Kaufmann et al., 1981).

Legionelleninfektionen Grundlagen 

Legionella spp. sind gram-negative, aerobe, wasserassoziierte Bakterien, die zwei unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen können: Die Legionellenpneumonie und das Pontiac-Fieber (Graham et al., 2020).

Fast alle Patienten mit einer Legionellenpneumonie müssen stationär behandelt werden, etwa ein Drittel benötigt eine intensivmedizinische Versorgung. Die Mortalität liegt  zwischen 4 und 40 % (Cooley et al., 2020).

Bis heute sind mehr als 60 Legionellen Spezies und über 70 Serogruppen identifiziert worden. Legionella pneumophila verursacht den größten Teil der weltweit dokumentierten Legionellenpneumonien (Graham et al., 2020).

Legionella pneumophila Serogruppen 1 – 6 sind für die Mehrheit der Legionellenpneumonien beim Menschen verantwortlich. Weitere Spezies, beispielsweise L. bozemanae oder L. longbeachae, verursachen zusammen etwa 10 % der Infektionen (Miyashita, 2024).

Das Robert Koch-Institut schätzt die tatsächliche Zahl der Legionelleninfektionen in Deutschland auf etwa 30.000 Fälle pro Jahr und weist gleichzeitig auf eine erhebliche Untererfassung hin (Epidemiologisches Bulletin, 2021).

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 2.111 Legionellosen gemeldet. Seit 2020 ist ein kontinuierlicher Anstieg der Fallzahlen zu beobachten (Epidemiologisches Bulletin, 2025; eCDC, 2026). Der demografische Wandel sowie die Klimaveränderungen gelten als zwei wesentliche Faktoren dafür, dass auch künftig mit einer Zunahme der Erkrankungszahlen zu rechnen ist (Dupke et al., 2023).

Schlußfolgerungen und Ausblick

Legionellen werden seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976 intensiv erforscht. Die zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse verdeutlichen die Komplexität dieser Mikroorganismen und zeigen, dass wir sie kontinuierlich besser verstehen müssen, um ihr Infektionsrisiko wirksam kontrollieren zu können.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in vielen Ländern Empfehlungen und gesetzliche Regelungen entwickelt und implementiert. Es ist davon auszugehen, dass dadurch zahlreiche Infektionen verhindert werden konnten. Viele dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse sind heute bereits Bestandteil nationaler und internationaler Empfehlungen und  technischer Regelwerke. Außerdem sollten neue wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich in Risikoabschätzungen, Risikobewertungen und Präventionsstrategien berücksichtigt werden. 

Gleichzeitig liefern neue Forschungsergebnisse immer wieder Hinweise darauf, dass hygienische Risiken teilweise unterschätzt werden und dadurch in bestimmten Situationen ein trügerisches Sicherheitsgefühl entsteht.

In den vergangenen 50 Jahren haben wir sehr viel über Legionellen gelernt und verstanden. Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, dass wir diese Mikroorganismen noch lange nicht vollständig verstehen. Und genauso, wie wir Menschen kontinuierlich lernen, passen sich auch Legionellen (und andere Organismen) kontinuierlich an Veränderungen ihrer Umwelt an, die unter anderem durch den Menschen verursacht werden. Dadurch wird ihr Management auch künftig eine wissenschaftliche und hygienische Herausforderung bleiben. 

Contact

Wir unterstützen Betreiber von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Hotels, öffentlichen Einrichtungen sowie Wohngebäuden bei der Risikobewertung und -abschätzung von Trinkwasserinstallationen, der hygienischen Bewertung komplexer Fragestellungen und der Entwicklung von Wassersicherheitsplänen und risikobasierten Maßnahmen zum Schutz der Nutzer. Kontaktieren Sie uns hier. 

References

McDade JE et al., New England J Medicine, 297(22), 1197-1203, 1977

Brenner DJ et al., Ann Intern Med, 90(4), 656-8, 1979

Kaufmann AF et al., Am J Epid, 114(3), 337-347, 1981

Graham FF et al., Sci Rep, 10(1), 7337, 2020

Cooley LA et al., Clin Infect Dis, 70(11), 2428-2431, 2020

Miyashita N., Respir Investig, 62(2), 305-306, 2024 

Epidem Bulletin, 42, 2021

Epidem Bulletin 49, 2025 

European Centre for Disease Prevention and Control. Legionnaires’ Disease. In: ECDC. Annual epidemiological report for 2024. Stockholm: ECDC; 2026.

Dupke S et al., J Health Monit, 8(Suppl 3), 62-77, 2023

Photo by Raúl Mermans García on Unsplash

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