2 Minuten alle 3 Tage?  3 Minuten alle 5 Tage? 5 Minuten alle 7 Tage? Wie lange und wie oft ist Spülen aus hygienischer Sicht wirklich sinnvoll?

Die Frage nach der richtigen Dauer und Frequenz von Spülvorgängen an Trinkwasserauslässen gehört zu den am häufigsten diskutierten Themen der Wasserhygiene.“ Wie viele Minuten?“, „Wie oft?“ – und vor allem: Was ist evidenzbasiert? 

Die Antwort lautet: Es gibt keine universell einheitlich richtige Spülzeit oder -frequenz. 

Warum einfache Spülregeln nicht funktionieren

Die hygienische Sicherheit eines Trinkwassersystems lässt sich nicht über eine lineare Beziehung zwischen 

  • Spüldauer
  • Spülfrequenz
  • und dem Wachstum wasserassoziierter Mikroorganismen 

abbilden. 

Das Wachstum von Legionella spp., Pseudomonas aeruginosa, Mykobakterien oder Pilzen ist das Ergebnis  komplexer, multifaktorieller Prozesse. 

Spülstrategien müssen gebäudespezifisch definiert werden mit dem Ziel, den bestimmungsgemäßen Betrieb realistisch nachzubilden und mögliche hygienische Risiken durch Stagnation zu minimieren, und nicht einfach „Wasser laufen zu lassen“. 

Spülen ist nicht automatisch hygienisch effektiv

Der Effekt des Spülens hängt von verschiedenen Faktoren ab, u.a. von

  • der Wassertemperatur
  • der Flussrate
  • der Hydraulik des Wassersystems
  • der Nährstoffverfügbarkeit 
  • der Verfügbarkeit von Amöben als Wirtsorganismen. 

Wird z. B. mit Warmwasser einer Temperatur von 60 °C gespült, so werden zahlreiche, hauptsächlich planktonisch lebende Mikroorganismen abgetötet. Diese abgetöteten Mikroorganismen stellen erneut Nährstoffe für die überlebenden Mikroorganismen dar und führen zur erhöhten Nährstoffkonzentration, die das Mikroorganismenwachstum fördert. 

Warum viele Empfehlungen problematisch sind

Da der Zusammenhang zwischen dem Spülvorgang und der Wasserhygiene multifaktoriell ist, haben verschiedene existierende Empfehlungen zu Spülmaßnahmen Schwachstellen, wie z. B. 

  • sie berücksichtigen nicht die Wasserqualität während des Spülens
  • sie sind nicht evidenzbasiert
  • sie ignorieren potentielle unbeabsichtigte Nebenwirkungen
  • sie suggeriere eine Scheinsicherheit durch „einfache Regeln“

Mehr Spülen ist nicht automatisch mehr Hygiene. Das Spülen kontaminierten Wassers kann zur Kontamination von Waschbecken und Siphon führen und, gerade in der nahen Umgebung der Entnahmestelle, ein relevantes Infektionsrisiko für Immungeschwächte darstellen. 

Was bedeutet eigentlich Stagnation? 

Der Begriff „Stagnation“ wird häufig pauschal verwendet – das ist fachlich inakkurat. 

Rhoads et al. definieren Stagnation als Kombination mehrerer Systemzustände, u. a. 

  • kein oder minimaler Wasserfluss
  • Totstränge
  • unregelmäßig genutzte Auslässe
  • lange Verweilzeiten 
  • Überdimensionierung bei geringer Nutzung 

Die Stagnation betrifft oft einzelne Auslässe und nicht zwingend die gesamte Warmwasserzirkulation eines Gebäudes. Daher ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. 

Wasserhygiene wird nicht durch Checklisten sichergestellt 

Wasserhygienische Gleichgewichte sind komplex, dynamisch, multifaktoriell und systemspezifisch. Der Versuch, diese Komplexität auf einfache Zeitangaben zu reduzieren, ist fachlich und hygienisch wenig zielführend. 

Je besser ein Wassersystem verstanden wird, hydraulisch, mikrobiologisch und technisch, desto gezielter und wirksamer kann es gemanagt werden. 

Möchten Sie mehr wissen oder darüber diskutieren? 

Benötigen Sie 

  • eine hygienisch-fachliche Bewertung von Spülkonzepten? 
  • Unterstützung bei der Einordnung von Stagnationsrisiken? 
  • eine fundierte Bewertung im Rahmen eines Wassersicherheitsplans? 

Kontaktieren Sie uns gerne  here – wir bewerten Ihr System individuell. 

1 Rhoads et al., Microorganisms, 10, 555, 2022

2 „Erkenntnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt „Biofilme in der Trinkwasser-Installation““, Version 2.1, Projektkoordination: Prof. H.-C. Flemming, Biofilm Centre, Universität Duisburg-Essen

3. „Erkenntnisse aus dem Projekt „Biofilm-Management“: Erkennung, Risiko und Bekämpfung von vorübergehend unkultivierbaren Pathogenen in der Trinkwasser-Installation“, Verbundprojekt der Universitäten Duisburg-Essen, Berlin und Bonn sowie der DVGW-Forschungsstelle TU Hamburg-Harburg und des IWW Zentrum Wasser, Mühlheim, 2014

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